Muss ich das jetzt tätowieren, oder darf das blank bleiben. 

Eine Frage, die ich mir seit Anfang 20 stelle. Also schon 8 Monate… *fügen Sie hier bitte sarkastisch, hysterisches Lachen ein*.

Spass beiseite, bei mir ging es irgendwann nach dem Abitur los, ich interessierte mich für Tattoos. Ich und der gesamte Rest der Menschheit. Da ich gerne zeichne und male, führten alle Wege irgendwann auch dahin. Ein Statement, für immer auf meinen Körper gemeißelt. Eine Erweiterung meines Ichs, für eine kleine Marie zu haben. Das schien und scheint immer noch sehr reizvoll.

Pack die Farbe auf meine Haut und endlich hebe ich mich von der grauen Masse ab, endlich werde ich das Individuum, das ich schon immer sein sollte. Dieses große Lebensziel von einem hoffentlich sterilen, begabtem und nüchternen Tattowierer erreichbar gemacht.

Ich wusste sofort, dass es ein eigenes Motiv wird. Etwas, dass ich entworfen habe und mir die Welt bedeutet. Ja, das war das erste Problem.

Welches 5×5 cm große Abbild vereinigt denn mein gesamtes Weltbild?  Tja, schwierig. Größer sollte es nicht sein, aber natürlich wahnsinnig ausdrucksstark. Ich denke, damit treffe ich den Mainstream-Geschmack genau ins Schwarze.

Also sinnierte ich so monatelang rum und versuchte eine Vorstellung zu realisieren, die sich wahnsinnig störrisch und unflexibel darstellte. Was gefällt mir noch in 30 Jahren?

Womit kann ich mir vorstellen am Ende auf der Bahre zu liegen?

Ich sehe ja immer den Mann im weißen Kittel vor mir, der mir den Zettel an den großen Zeh macht, während er denkt, wie jung ich noch mit 95 aussehe. Dann seinen skeptischen Blick auf mein Tattoo und diesen gilt es standzuhalten. Sein Blick soll sagen: Tolles Tattoo, steht ihr immer noch.

Das ist mal eine Aufgabe für so ein Tattoo, was?

Also entschied ich mich für eine Elfe aus der Comicreihe ‚Elfenwelt‘. Kennt keiner? Ich finde sie toll. Wendy, die Protagonistin, sollte mir Muse für die Perfektion sein. So geschah es. Das Motiv war gefunden, die Stelle auch. Es sollte vorne auf der Hüfte sein. Jetzt das beste Tattoostudio des ganzen Landes gesucht, hingefahren und aufgeregt einen Termin gemacht. Dann 50€ angezahlt und die Tage bis zum großen Stich gezählt.

Dann die Wendung, da da da dammmm.

Ich wachte schweißnass auf und fragte mich, was wäre, wenn es meine Karrierechancen beeinträchtigen würde. Was passiert wenn ich es leid werde, denn es gab zu dieser Zeit kaum Dinge, die ich länger als eine Saison gut fand. So ging es hin und her und was soll ich sagen: Die pure unberührte Haut hat gewonnen. Ich ließ die Anzahlung verfallen und verschob es auf später.
So geht das jetzt seit vielen Jahren. Ich mag viele Tattoos und kann mir inzwischen auch viele an mir vorstellen, doch keins hat es bis jetzt auf die Bühne geschafft. Ich kann mich einfach nicht entscheiden.

Es gab Jahre da war ich froh keine Tattoos zu haben, es gab Jahre da war ich ein paar Mal kurz davor etwas machen zu lassen.

Im Endeffekt bin ich noch blank.

Hier geht es mir nicht um die Grundsatzdiskussion ob Tattoos toll sind, oder nicht, denn das ist eine Frage, die niemand beantworten kann. Genau wie die Frage, ob man Kinder haben muss, oder nicht. *Der Diskussionsmodus ist deaktivert*

Doch unterliegen sie einem Trend

Wie wir alle wissen, gab ja die Zeiten wo nur Kriminalität und Knastbesuch zu einem Tattoo qualifizierten, dann Zeiten wo man nur darauf achten musste, dass nicht jede Mitschülerin das gleiche Arschgeweih hat wie man selbst.

Die Zeiten des Individualismus gefielen mir sehr gut. Anker, Pin Up Tattoos und Arschgeweihe wichen in den Hintergrund und kluge Tattoos kamen an den Start. Klar liegt hier klug immer noch im Auge des Betrachters, aber ich nenne es mal so.

Die Leute machten sich Gedanken über persönlich zugeschnitte Tattoos. Bilder die niemand anderes hat. Koordinaten der Geburtstage der Kinder, Scancodes des Namens usw. usw.usw.

Das Tätowieren unterliegt Trends und man muss nur beobachten welcher davon einen dann packt.

Es kamen ja auch die Zeiten, in denen man als Untätowierter total uncool war. Man fühlte sich leer und als Normalo abgespempelt. Ja ja da ist etwas überzogen, doch es steckt ein Funken Wahrheit darin.

Sätze wie: Du hast gar kein Tattoo? Nichtmal auf der Schulter? Wow. Solche Sätze lassen einen nachdenken ob man nicht doch ein Lemming ist, der sich nicht abhebt und sich was traut. Doch soll ich Euch heute Abend was sagen? Im Moment scheint es mir fast andersherum, zur Zeit ist man individuell und willenstark wenn man kein Tattoo hat.

Ob bunt, ob blank, Du bist wunderbar 😀

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