Kauf mich, ich pieps auch ganz leise

In der heutigen Gesellschaft spielt Verantwortung eine führende Rolle. Wer Verantwortung übernimmt, verdient mehr, ist ein besser Mensch und hat die Regeln verstanden. Das würde ich als Konsens unserer Gesellschaft bezeichnen. Das Streben nach Perfektion und nicht zu vergessen, der Weg durch Gottes Himmelstür, sollen so gut wie möglich gesichert sein.

Man kann für vieles Verantwortung übernehmen: Für Kinder, für pflegebedürftige Eltern, für Tiere, für Projekte, für Geschäftsabläufe, für Mitarbeiter, für Fehler und noch viel mehr, die Liste ist unendlich lang. Es gibt eine Gruppe an Dingen für die wir ressourcenfressende Verantwortung übernehmen und es gar nicht realisieren. Ich nenne sie ‚die druckaufbauende Piepsgesellschaft‘.

Pieps

Ich spreche von Devices, von Smartphones, Tablets, jegliche Art von elektronischen Haushaltshelfern, wie Mikrowellen, Spülmaschinen, Waschmaschinen, Saug- und Mährobotern und und und.

Wir lieben sie, denn sie verschönern unseren Alltag. Den Alltag, der ja sowieso schon so anstrengend ist. Diese Dinge geben uns endlich einen Grund und eine Antwort, warum wir soviel Lebenszeit auf der Arbeit verbringen. Wir arbeiten, um uns diese schicken Helfer, ich nenne sie mal ganz frech Statussymbölchen, leisten zu können. Erst verdienen wir das Geld, dann recherchieren, surfen und wählen wir aus. Danach folgt die Bestellung, oder man wagt sich in echte Gechäfte, um hin und wieder wahre Einkaufsgefühle zu erleben.

Wir schaffen Helfer an, freuen uns daran und integrieren sie in unser Leben. Unser jetzt verbessertes Leben. Dann geht es los. Wir müssen Acht geben, denn die Helferlein sind meist teuer. Nicht nur das, sie wollen und verlangen unentwegt Aufmerksamkeit, indem sie piepsen, oder uns den Dienst durch Ausschalten entziehen.

Es beginnt ein Wettlauf, entweder organisiere ich das Pflegen und Aufladen dieses elektronischen Goldstückes, oder schaltet es sich ab und ich muss temporär ohne auskommen? Wir müssen auf sie achten, den ganzen Tag lang, sonst helfen sie uns nicht, wie wir es brauchen.

Brauchen wir das wirklich?

Das Smartphone will immer geladen sein, das Tablet braucht sein Update, die Spülmaschine will geleert und die Waschmaschine schnell ausgeräumt werden, damit die Wäsche schön frisch bleibt. Mein Auto piepst, wenn er zur Inspektion muss, der Mähroboter piepst, weil er aus dem Gebüsch gezogen werden will und der Saugroboter schreit, wenn sich mal wieder das Kind darauf gestellt hat.

All diese Helferlein, die unser Leben schön und bequem machen, brauchen in Wirklichkeit sehr viel Aufmerksamkeit und wollen beachtet werden. Eine Aufmerksamkeit, die Energie frisst. Unsere wertvolle Energie.

Wie oft laufe ich durch die Wohnung und suche ‚DAS‘ Piepsen. Ich weiß nicht, ob es das Babyphone, die Spülmaschine, oder vielleicht das fertig aufgeladene Spielzeugauto ist. Wie oft sitze ich vor dem Fernseher und versuche das Dauerpiepsen des Handys, oder des Spielzeuges zu ignorieren, weil es lautstark ankündigt, dass es bald leer sein wird. UND DAS WOLLEN WIR DOCH ALLE NICHT, hallt es vorwurfsvoll zwischen dem Piepen.

Kinder und Erwachsene reagieren hektisch und suchen verzweifelt die richtigen Aufladegeräte, der Hund wird nervös, weil auch er wissen will, warum dieses Minimonster so monströs piept. Dem kann sich keiner entziehen. Kein Haushalt unter 100 Steckdosen ist heute mehr überlebensfähig, so fühlt es sich jedenfalls an.

Am liebsten sind mir nächtliche Piepsattacken. Aus dem Traum gerissen und mit Herzrasen aus dem Bett hüpfend, das Aufmerksamkeit haschende Ding suchend, damit ja kein Kind davon wach wird.

Das ist verrückt!

So muss man sich eingestehen, dass man oft nicht nur Kind, Hund und Haus, oder einen Job hütet, sondern auch die elektronischen Kinder umsorgen muss. Die adoptierten elektronischen Kinder, alle von Haus aus mit extremen Aufmerksamkeitsdefizit ausgestattet. Ich bin mir nicht sicher, ob das noch Freizeitstress, oder schon selbstauferlegte Nötigung ist.

Die Psyche würde vielleicht eine Überwachung über die Anzahl der piepsgebenden Dinge vorschlagen. Sollte man sie fragen, was wir ja nicht tun, solange sie nicht krank wird. Doch es ist wie mit Dauerlärm von Straßen, oder auf der Arbeit im Großraumbüro, er stört nicht offensichtlich, aber langfristig macht es uns krank.

Wir fragen uns immerzu: Ist denn auch jedes Device gut genug geschützt? Braucht das Handy eine Diebstahlversicherung, die Spülmaschine wieder Entkalker? Ist das Wasser für die Waschmaschine das richtige? Ist der Kinderschutz im iPad aktiviert, ist die Virensoftware auf dem PC noch aktuell? Wann muss nochmal das Auto zum TÜV und dazwischen darf man das Luft holen nicht vergessen. Das ist Verantwortung und Stress, den man meist gar nicht sieht.

‚Die druckaufbauende Piepsgesellschaft‘ ist raffiniert, sie macht sich so interessant, dass man die Belastung übersieht, die jedes piepsen nach Strom, Batterien, oder sonstiger Pflichten, mit sich bringt.

Vielleicht sollten wir mal versuchen Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und dem gesellschaftsfähigen Burn-Out auf den Grund gehen.

Wer weiß, vielleicht ist es auch bei Dir ein ‚PIEPS‘ zu viel gewesen, als du letztes Mal ausgeflippt bist 😉

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Muss ich das jetzt tätowieren, oder darf das blank bleiben. 

Eine Frage, die ich mir seit Anfang 20 stelle. Also schon 8 Monate… *fügen Sie hier bitte sarkastisch, hysterisches Lachen ein*.

Spass beiseite, bei mir ging es irgendwann nach dem Abitur los, ich interessierte mich für Tattoos. Ich und der gesamte Rest der Menschheit. Da ich gerne zeichne und male, führten alle Wege irgendwann auch dahin. Ein Statement, für immer auf meinen Körper gemeißelt. Eine Erweiterung meines Ichs, für eine kleine Marie zu haben. Das schien und scheint immer noch sehr reizvoll.

Pack die Farbe auf meine Haut und endlich hebe ich mich von der grauen Masse ab, endlich werde ich das Individuum, das ich schon immer sein sollte. Dieses große Lebensziel von einem hoffentlich sterilen, begabtem und nüchternen Tattowierer erreichbar gemacht.

Ich wusste sofort, dass es ein eigenes Motiv wird. Etwas, dass ich entworfen habe und mir die Welt bedeutet. Ja, das war das erste Problem.

Welches 5×5 cm große Abbild vereinigt denn mein gesamtes Weltbild?  Tja, schwierig. Größer sollte es nicht sein, aber natürlich wahnsinnig ausdrucksstark. Ich denke, damit treffe ich den Mainstream-Geschmack genau ins Schwarze.

Also sinnierte ich so monatelang rum und versuchte eine Vorstellung zu realisieren, die sich wahnsinnig störrisch und unflexibel darstellte. Was gefällt mir noch in 30 Jahren?

Womit kann ich mir vorstellen am Ende auf der Bahre zu liegen?

Ich sehe ja immer den Mann im weißen Kittel vor mir, der mir den Zettel an den großen Zeh macht, während er denkt, wie jung ich noch mit 95 aussehe. Dann seinen skeptischen Blick auf mein Tattoo und diesen gilt es standzuhalten. Sein Blick soll sagen: Tolles Tattoo, steht ihr immer noch.

Das ist mal eine Aufgabe für so ein Tattoo, was?

Also entschied ich mich für eine Elfe aus der Comicreihe ‚Elfenwelt‘. Kennt keiner? Ich finde sie toll. Wendy, die Protagonistin, sollte mir Muse für die Perfektion sein. So geschah es. Das Motiv war gefunden, die Stelle auch. Es sollte vorne auf der Hüfte sein. Jetzt das beste Tattoostudio des ganzen Landes gesucht, hingefahren und aufgeregt einen Termin gemacht. Dann 50€ angezahlt und die Tage bis zum großen Stich gezählt.

Dann die Wendung, da da da dammmm.

Ich wachte schweißnass auf und fragte mich, was wäre, wenn es meine Karrierechancen beeinträchtigen würde. Was passiert wenn ich es leid werde, denn es gab zu dieser Zeit kaum Dinge, die ich länger als eine Saison gut fand. So ging es hin und her und was soll ich sagen: Die pure unberührte Haut hat gewonnen. Ich ließ die Anzahlung verfallen und verschob es auf später.
So geht das jetzt seit vielen Jahren. Ich mag viele Tattoos und kann mir inzwischen auch viele an mir vorstellen, doch keins hat es bis jetzt auf die Bühne geschafft. Ich kann mich einfach nicht entscheiden.

Es gab Jahre da war ich froh keine Tattoos zu haben, es gab Jahre da war ich ein paar Mal kurz davor etwas machen zu lassen.

Im Endeffekt bin ich noch blank.

Hier geht es mir nicht um die Grundsatzdiskussion ob Tattoos toll sind, oder nicht, denn das ist eine Frage, die niemand beantworten kann. Genau wie die Frage, ob man Kinder haben muss, oder nicht. *Der Diskussionsmodus ist deaktivert*

Doch unterliegen sie einem Trend

Wie wir alle wissen, gab ja die Zeiten wo nur Kriminalität und Knastbesuch zu einem Tattoo qualifizierten, dann Zeiten wo man nur darauf achten musste, dass nicht jede Mitschülerin das gleiche Arschgeweih hat wie man selbst.

Die Zeiten des Individualismus gefielen mir sehr gut. Anker, Pin Up Tattoos und Arschgeweihe wichen in den Hintergrund und kluge Tattoos kamen an den Start. Klar liegt hier klug immer noch im Auge des Betrachters, aber ich nenne es mal so.

Die Leute machten sich Gedanken über persönlich zugeschnitte Tattoos. Bilder die niemand anderes hat. Koordinaten der Geburtstage der Kinder, Scancodes des Namens usw. usw.usw.

Das Tätowieren unterliegt Trends und man muss nur beobachten welcher davon einen dann packt.

Es kamen ja auch die Zeiten, in denen man als Untätowierter total uncool war. Man fühlte sich leer und als Normalo abgespempelt. Ja ja da ist etwas überzogen, doch es steckt ein Funken Wahrheit darin.

Sätze wie: Du hast gar kein Tattoo? Nichtmal auf der Schulter? Wow. Solche Sätze lassen einen nachdenken ob man nicht doch ein Lemming ist, der sich nicht abhebt und sich was traut. Doch soll ich Euch heute Abend was sagen? Im Moment scheint es mir fast andersherum, zur Zeit ist man individuell und willenstark wenn man kein Tattoo hat.

Ob bunt, ob blank, Du bist wunderbar 😀

Warum unser 4. Ich unser liebstes ist. Das Zeitalter der multiplen Persönlichkeiten.

Eine sehr wichtige soziale Gruppe unserer Gesellschaft ist die Internetgemeinde. DIE Internetgemeinde. Dieser viel benutzte, allumfassende Begriff unter dem sich jeder etwas anderes vorstellt.

Wer soll diese Internetgemeinde denn sein?

Wer ist denn da überhaupt aktives Mitglied, wer hat das Sagen? Besteht sie aus weltweit verteilten sehr gebildeten www-Usern, oder doch eher Wesen, die ihre Geisteskrankheiten versuchen im Netz selbst zu heilen? Besteht sie gar aus ominösen Leuten, die Fragen an die Redaktionen der Yellow-Press tätigen und sich darauf weltveränderte Antworten erhoffen? Oder aber ist es doch Hinz und Kunz im Unterhemd vor dem PC, die Hand kratzend in der Unterhose Meinungen und Halbwissen verteilend? Ich weiß es nicht.

In einem bin ich mir ganz sicher, eine Gemeinde betet immer jemanden an. In diesem speziellen Fall das heilige Internet. Dieses glücklich machende Wesen, dieser unerschöpfliche Topf an Wissen und Vergnügen.

Das Internet hat uns gerettet! Schnauze dahinten! Jeden von uns gerettet. Das Motto lautet: Sei wer du willst! Wo du willst, wann du willst und wie du willst. Yeah. 

Ist das die Rettung oder der Untergang für ein glückliches Ich? Schauen wir es uns näher an.

Endlich können wir sein wie wir wollen. Erstmal 500 Selfies schießen um das Eine zu finden, dieses Bild, das endlich der Person unserer Vorstellung , mühevoll bearbeitet, entspricht. Das immerwährende Hoffen, dass die anderen auch glauben, dass man genau so sei und aussehe. Bitte. Bitte.

Die Internetgemeinde wird es glauben wollen. Jeder Like, jeder Fave wird händeringend erwartet, damit man endlich selbst daran glauben kann diese Person zu sein.

Spiegel geh zur Seite! Ich will mein Display sehen!

Endlich muss man nicht mehr duschen und einen Club suchen um jemanden kennenzulernen. Der größte Zeitaufwand ist nur noch das Anlegen des eigenen Profils im Dating-Portal. Man suche ein gutes Bild raus und erfindet sich selbst im Fragebogen. Dann warten und hoffen gefunden zu werden. Was ein wundervoller Rückschritt der Menschheit, ähm ich meine natürlich Fortschritt.

So läuft es bei Single-Portalen, bei Twitter, bei Facebook und unendlich vielen anderen Portalen. Wir brauchen keine Hobbies mehr. Das surfen und scrollen in den Social-Media-Portalen ist ausreichend. Display an und sofort den Zeitfresser Nummer 1 gefunden. Niemand wartet mehr auf die Tagesschau, oder auf 20.15 Uhr damit der Hauptfilm losgeht. Nein, wir surfen, chatten, shoppen und streamen was wir wollen, wann wir wollen und mit wem wir wollen.Und schon ist es Zeit in das Bett zu hüpfen, ohne 1 Minute über sich und sein Leben nachgedacht zu haben. Herrlich.

So einfach und erfrischend, oder war es krankmachend und abstumpfend?

24 Stunden Öffnungs- und Hoffnungszeiten

Das Internet. Dieser warme, überdachte Zugang zu undenklich vielen Informationen und Spass.

Öffne deinen Browser und die Magie beginnt. Eine Welt in der einem alle Türen offen stehen. Endlich finden wir Hunderte Freunde, obwohl man keinen einzigen neben sich sitzen hat. Jene Menschen mit denen du mal zur Schule gegangen bist und mit denen du dich eigentlich schon damals nicht verstanden hast, werden jetzt Grundpfeiler deiner Tagesbeschäftigung. Arbeitskollegen von denen du eigentlich nicht einen Deut mehr wissen willst, als du es aus deinem Arbeitsalltag schon weißt, müllen dich ab jetzt mit Fotos und Aufenthaltsinformationen voll.

Flüchtige Bekannte aus Vereinen, Fitnessstudios und Seminaren kommen in das Rampenlicht deiner Bühnenshow. Alles verschiebt sich. Statt unrelevante Durchläufer deines Lebens zu sein, werden sie deine digitalen Freunde. Dicke Freunde, die sich für dich interessieren und es bestimmt nur gut mit dir meinen. Bestimmt. Es ist in bunten Lettern auf dem Bildschirm zu sehen, was für tolle Freunde es sind. Dann muss es wahr sein.

Oh wie schön, der Bekannten- und Freundeskreis bläht sich digital auf und der eigene Persönlichkeits-Score schnellt in die Höhe. Die Leute verfallen der Sammelwut, denn um so größer der Bekanntenkreis ist, desto interessantere ist man doch, oder? Oder?

Was die Panini-Sammelbilder für Kinder, sind die Sozialen Medien für Erwachsene. Angestrebt ist der bunte Fächer von coolen, schönen Freunden, denn der Schein soll ja auf den fleißigen Sammler abfallen. Vergessen wir nicht, dass die Menge an digitalen Freunde von einer eigenen interessanten Persönlichkeit und einem großen Willen zu Aktivität und Erfahrung zeugen. Warum sollten sich die wundervollen Menschen sonst mit einem öffentlich befreunden?

So ist die Theorie.

Das hat mit der kalten, Leistungsdruck schwangeren Realität nichts zu tun, die sieht nämlich wie folgt aus:  Ab jetzt nimmst du an allem teil was deine vermeintlichen Freunde so erleben und fühlen. Vermeintlich. Du fährst mit in die Urlaube, leidest oder freust dich an den Beziehungen und Scheidungen, du begutachtest die fantastischen Hobbies und deren politische Gesinnung. Vermeintlich.

Jetzt kommt der Haken und dieser scheint für eine Menge Menschen komplett unsichtbar zu sein.

Haken? Welcher Haken?

ÜBERRASCHUNG!

Diese ganze digitale Welt ist eine Fiktion, erschaffen wie ein Drehbuch und jeder ist sein eigener Regisseur. Man beachte, das diese Leute nur die digitalen Projektionen dieser Menschen sind. Jedes Profil ist selbst erschaffen, gebügelt und gepimpt an ruhigen Abenden vor dem Fernseher. Nur der Stempel ‚Handemade‘ fehlt.  Man liked, faved und staunt, hasst und freut sich. Die Abendanimation hat begonnen.

In diesem Zeitalter geht der Trend zur multiplen Persönlichkeit

Was stellen all diese Möglichkeiten mit uns an? Wir Menschen passen uns an. Das haben wir in der Evolution immer erfolgreich getan. Jetzt trenden wir zur multiplen Persönlichkeit. Wen haben wir denn da alles?

Das 1. Ich

Es gibt einmal unser Ich, *sagt Hallo!* das was morgens nach dem Aufstehen sehen, wenn wir müde und ausgelaucht in den Spiegel schauen. Dieses Ich das am Schulabschluss eine genaue Vorstellung des kommenden Lebens hatte und sich optimistisch in die Fluten der Zukunft schmiss. Das ist unsere ungeschminkte, Gott gegebene Persönlichkeit. Manchmal nicht sehr vielversprechend für die aufregende Achterbahnfahrt unserer Gesellschaft. Dies ist der Moment dann Hilfe zu holen.

Das 2. Ich

Es erfolgt die erste Verwandlung. Wir waschen und putzen uns raus, viele Frauen legen jetzt ihr Gesicht an und wupps bis du der Arbeitskollege bzw. die Arbeitskollegin. Unser 2. Ich ist geschaffen.

Die Ausführung variiert nach den Ansprüchen, entweder hart und durchsetzungsbereit, weil der Chef es soll will, oder empathisch und gutmütig, weil der Kontakt mit anderen Menschen es so verlangt. Dieses 2. Ich schmiert den Karrieremotor so gut es kann. Das Ziel des wundervollen Reichtums und der Anerkennung der Mitmenschen ist in weiter Ferne und doch ein primäres Lebensziel. Nicht vergessen, auch dieses Hamsterrad ist rund um die Uhr geöffnet. Was für ein Service.

Das 3. Ich

Dann geht es ab nach Hause und da erwartet uns das 3. Ich. Diese liebenswerte Person, die alles problemlos unter den Hut bekommt. Gesund, gut drauf, fair, moralisch hoch angesetzt, sexy, erfüllt mit Liebe und klug. Immer ein Ohr für den Partner und die Kinder. Der Haushalt soll top sein, die Kinder gut erzogen und natürlich ist man eine Granate im Bett. Natürlich. Wir gehören nicht zu diesen Menschen, die im Alltagsstress vergessen sich täglich zu rasieren, oder nicht immer ein Negligé sauber im Schrank liegen haben. Nein! Wir nicht! Wir wollen den deutschen Durchschnitt, diese 3 Male die Woche Sex lassen wir uns nicht nehmen, oder nein wir wollen ihn übertreffen. Hemmungslose Leidenschaft ist unser täglicher Begleiter, denn das vermitteln uns doch die Medien.

Und die müssen es wissen!

Das Schlafzimmer wird das Prunkstück an Erfahrung und Entspannung im eigenen Leben. In der Theorie. Dieses Ich stellt das was der Partner erwartet, oder halt die Familie wird hiermit bedient. Man nimmt sich selbst zurück und gibt sein möglichstes. Dieses Ich ist anstrengend und verlangt viel Aufmerksamkeit.

Das 4. Ich

Nach all diesen Theorien, Bemühungen und Rückschlägen, den Enttäuschungen wird es Zeit für unser 4. Ich.

Unser liebstes Ich, das war wir komplett selbst bestimmen und mit welchem wir selbst gern befreundet wären.

Unser digitales Selbst. Unser Spiegelbild verzerrt durch unser Display. Es wird Abend und wir sitzen dann endlich allein im Wohnzimmer.

Es ist soweit! SPOT AN!

Jetzt holen wir unsere Lieblingspersönlichkeit raus, unser schillerndes 4. Ich. Das Internet-Ich, geschaffen mit unseren eigenen Händen, poliert mit Erfahrung und Erlebnissen. Erstmal schauen was die Internetgemeinde so macht. Jetzt schließt sich der Kreis. Unzählige Apps helfen uns bei der Präsentation unseres wundervollen Lebens. Wir heben unsere Meinungen und Aktivitäten auf die nächste Stufe. Wir machen hier im Internet alles so wie wir es wollen. Hier hält uns keiner auf. Wenigstens solange die Internetgemeinde uns gut gesonnen bleibt. Jetzt pflegen wir stundenlang unser 4. Ich währenddessen unser 1. Ich eigentlich nur mal gekämmt und geduscht werden will.

Du fandest diesen Text deprimierend und hast das Bedürfnis Deine Fingernagelhaut abzukauen, oder hast Du geschmunzelt, gelächelt und Dich selbst erkannt? Lass es uns wissen.

Deine Internetgemeinde ;D

 

@JilPhoenix ” Das etwas andere #ff “ — Pippis Welt

Heute Interviewe ich Twitter Legende @JilPhoenix. Nervosität ist gut vor einem großen Kampf. @hollowloop: Hallo @JilPoenix. Hörst du auch das leise Rauschen des Windes und die Musik aus “spiel mir das Lied vom Tod”? Ich gebe zu, ich habe ein wenig feuchte Handflächen. Du bist für mich einer der inbegriffe Twitters. Jemand der unglaublich polarisiert. […]

über @JilPhoenix ” Das etwas andere #ff “ — Pippis Welt

Ich war 3 und die Zigarette nicht angezündet, doch der risikofreudige Trend blieb. Wer bin ich denn?

Das Gute an mir: Ich habe zu allem eine Meinung, Das Schlechte an mir: Ich will das auch jedem mitteilen. Das ist wohl der Hauptgrund warum wir uns heute hier treffen.

Wäre dies ein Roman würde er ungefähr so starten: Sie ist blond, groß und zeichnet sich durch eine laute Lache aus. Sie sieht natürlich aus wie 29 (Niemand wurde gezwungen oder bezahlt dies zu schreiben), tingelt aber so um die 40 rum. Ihre Infalität und Optimismus lassen sie zu einer extrovertieren Person mutieren. Schuld ist meine Familie. Ich entstamme einer lauten, humorvollen Familie. Hier sind alle Frauen groß und blond. Und laut. Und witzig. Und extrovertiert. Ich hatte keine Chance eine zurückhaltende, schlichte Person zu werden, soviel steht fest.

Ich habe als 5jährige jedem im kleinen Friseursalon um die Ecke erzählt, dass meine Oma die schönste Frau der Straße ist. Ich habe diese positive Sichtweise bis heute behalten. Auch mein Hund, eine Bulldogge in Kuhfarben, mag meine Art. Ich sag immer: Lass das sein und Paula versteht jedesmal: Laisser faire. Ihr Blick sagt meist sowas wie, ach die meint das nicht so, die findet mich voll süß. Paula weiß übrigens nicht, dass sie ein Hund ist und ich habe nicht vor es ihr zu sagen. Auf dieses Thema werde ich in Zukunft noch näher eingehen. Schon aus therapeutischen  Gründen, die mir zur Bewältigung helfen sollen.

Bulldoggen for president

Eine ganz wundervolle Seite an mir ist mein Konsumzwang. Leute, das ist mein Thema. Ich bin manipulierbarer Rohteig für Waren jeglicher Art. Ich gehöre zu den Menschen, die alle Tricks der Werbeindustrie kennen. Das reduziert den Shopping-Spass aber nicht im geringstens. Dieses vollendete Glück, wenn man abends, nach einer Shopping-Tour, mit schmerzenden Füßen auf dem Sofa sitzt. Umrahmt von Tüten. Knisternd, bedruckt und mit der Glückseligkeit gefüllt. Ich brauche zum Leben nur Wasser, gesundes Essen, elektronische Spielereien, Taschen, Schuhe, Autos, Dekoartikel jeder Art, Klamotten, Make-Up und Liebe. Auch dazu später mehr.

Ich bin so eine bescheidene Mitteleuropäerin

Ich hätte Politikerin werden sollen, oder Vorwerk-Verkäuferin. Ich kann Dinge gut an den Mann bringen. Finde ich etwas toll, brenne ich dafür. Das steckt Andere meist an. Meine politische Meinung werde ich hier kundtun. Ich bin Fachfrau, denn ich lebe ja in diesem Land, zahle Steuern und schaue täglich die Tagesschau. Ich bin somit Politik-Profi. Hat da jemand gehustet? Lassen Sie das.

Ich ziehe verrückte Personen und Geschichten an. Ich weiß nicht warum, doch es ist so. Ich werde hier viele tägliche Kalauer loslassen, damit sie nicht nur mich ängstigen, oder amüsieren. Hach ich freue mich darauf die Welt mit meinem geschriebenen Wort zu beglücken. Wisst Ihr was das Tollste an so einem Blog ist? Hier kann keiner Tomaten schmeißen! Wundervoll.

Keine Tomaten im Internet bitte!

Diese kleine Beschreibung soll helfen, sich die Person hinter den nun folgenden Blogeinträgen vorzustellen. In Realität sitze ich hier tippend und versuche krampfhaft keine Mückenstiche aufzukratzen, während ich froh bin das Schreiben begonnen zu haben. Ich hatte das Gefühl, mein erster Blogeintrag müsste ein wichtiges Thema bearbeiten und unwahrscheinlich konzipiert und genial sein. Innerhalb der letzten Tage habe ich das genial reduziert und heute dann auch das konzipiert. Mein Plan hieß dann:

Setz dich endlich in diesen verfickten Garten und fang an zu tippen, sonst wird das nie was.

Dies ist der Moment um zu der Geschichte mit dem Huhn und dem Ei zu kommen. Ich würde sagen, ich bin hier, weil Twitter mich dazu brachte. Vielleicht bin ich auch bei Twitter, weil ich schon immer Schreiben wollte. Im Endeffekt ist es egal, denn meine Gedanken wollten schon immer in Schriftform gebracht werden. Allein der leidige Kollege Zeit hat mich bis jetzt von Blog und Buch abgehalten. Ich liebe Twitter und das flotte Rausprügeln meiner Gedanken und Sprüche, jedoch manchmal muss es halt etwas länger werden. Zu Twitter werde ich etwas in meinem nächsten Blogeintrag schreiben und wohl noch öfter danach. Ich werde mir die nächsten Wochen die Zeit nehmen und mir andere Blogs durchlesen. Bis jetzt tue ich das leider nur im geringen Rahmen und möchte das unbedingt ändern. Das ist auch ein  Thema, das mich immer wieder beschäftig: Analoges und digitales Lesen. Man muss sich im stressigen Alltag ja genau überlegen womit man seine Quality Time füllt. Ich schaue mir die News online an. Das meiste aktuelle Geschehen schwemmt mir zu. Facebook-Post und Twitter-Hashtags lassen schnell ahnen was interessant ist.

Doch richtiges Lesen läuft bei mit analog ab, heißt ich bin die, die einen 1000 Seiten Schmöker mit in den Urlaub schleppt, obwohl ich das iPad nutzen könnte.

Ich muss blättern, sonst tritt dieses Wärme der Geschichte mir gegenüber nicht so wirklich ein. Damit bin ich wohl in der Minderheit. Oder? Da bin ich mal gespannt, wie das bei Euch so ist. So, ich werde jetzt frühstücken und meinen nächsten Blogeintrag starten, denn wenn die Gedanken mal laufen, dann rennen sie.

Ich werde mindestens einmal die Woche meinen Senf hier abgeben, vielleicht auch öfter. Wir werden sehen. Und ich hoffe jetzt mal, das ich mir ‚wir‘ nicht nur meine Mama und meine allerliebste Freundin meine.

(Hallo Mutti! Grüß Dich Daniela!)

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